Repilka aus Teilen von Parker Hale / HEGE


Enfield Naval Pattern 1858 Parker Hale
 

Die gebraucht erworbene Enfield wurde trotz guter Pflege des Vorbesitzers zunächst etwas renoviert. Aufkleber diverser Meisterschaften wurden entfernt, der Schaft mit Backofenspray behandelt und heißem Leinöl aufgefrischt, die Brünierung nachgebessert sowie das Messing aufpoliert. Zur Schussleistung trägt das zwar nichts bei, ist aber gut für den Stolz des Besitzers. Sorge machte mir das Schloss, dessen Hahn schräg auf der Nuss saß und an der Schlossplatte schliff. Ich bestellte also einen Satz der üblichen Verschleißteile bei Peter Dyson, welcher prompt innerhalb 5 Tagen lieferte. Die bestellten Schlossteile waren Originalteile und passten perfekt. Lediglich Nuss und Abzugstange erhielten leichte Überarbeitung, um ein für den sportlichen Einsatz taugliches Abzugsgewicht zu erreichen. Das Verschlanken der Abzugsstangenfeder brachte die Sache vollends zum Abschluss. Politur und Härtung von Nuss und Abzugsstange sorgen dafür, dass es auch so bleibt. Im Gegensatz zur größten Konkurrenz, der M1857 von D. P., haben die Enfields keine für den sportlichen Einsatz taugliche Kimmenverstellung. Dem kann man jedoch für die Höhe zumindest, wirksam Abhilfe schaffen. Die Methode: Das Visier, das mit einer Schraube am Lauf gehalten wird, einfach mit Uhu Endfest 300 am Lauf verkleben. Die nun funktionslose Halteschraube dient dann als feine Höhenverstellung des Kimmenblatts. Einfacher geht es nicht!

 

Erfahrenen Vorderladerschützen mag es befremdlich erscheinen CH II bei diesem Geschossgewicht und dem Kaliber .577 zu verwenden, da es eher für kleinere Kaliber bestimmt ist. Auch mit geringfügig größeren Ladungen CHIII oder CHIV schießt die 2-Band Navy hervorragend. Geladen wird wie’s die DSB Sportordnung verlangt mit kurzem Füllrohr und ohne jegliches Wischen. Die Verschmutzung des Laufes bleibt über die 15 Schussdistanz erstaunlich gering. Auf den letzten Zentimetern setzt sich etwas Verkrustung an, welche sich aber mit dem Geschoss leicht herunterdrücken lässt. Sehr erfreulich ist, dass die Trefferlage über die Serie nicht wandert, so dass man auf dem vertrauten Haltepunkt der Probeserie bis zum Letzten durchschießt. Die Reinigung erfolgt mit einem Schlauch auf der Pistonbohrung ohne Ausbau des Laufes mit reichlich sehr heißem Wasser. Ordentlich durchgepumpt und trocken nachwischen. Dann den Lauf abkühlen lassen, noch mal trocken wischen und zuletzt einen Patch mit WD40 zur Konservierung hinterher – fertig! Zuletzt noch den Tampion auf die Mündung setzen und den Lederstreifen auf’s Piston und ab in den Waffenschrank.

 

Die originalen Parker-Hale Teile haben nach Schließung der Firma P. H. eine weite Reise über die Kontinente gemacht, bevor sie durch die Hände diverse Hersteller gingen und montiert wurden. Diese von HEGE gestempelte Navy wurde bis auf den Schaft aus P.-H. Teilen gebaut. Das Holz dieser Waffe ist im Vergleich dunkler und ein paar hundert Gramm schwerer, was sich beim Schießen eher angenehm auswirkt. Dass ein Gewehr dieser Bauart und diesen Alters den oben beschriebenen Verschleiß am Schloss aufweißt, empfinde ich als normal. Die Substanz und das Potential dieses Sportgerätes rechtfertigen selbst wesentlich größeren Aufwand an Finanzen und Arbeit. Wenn auch die originalen Parker-Hales höher gehandelt werden, würde ich Jedem auch zu HEGEs alten 2-Bändern raten. Da macht man nix verkehrt.

 

Leider wird mit dem Namen Parker-Hale seit langem eine Art Etikettenschwindel betrieben. Nicht alles, was auf dem Lauf Parker-Hale gestempelt wurde, ist aus der Birminghamer Produktion! Eine gewisse italienische Firma veröffentlicht das auch auf ihrer Internet-Präsenz "P.-H. marked Italien Barrel". Die hiesigen Händler tun es jedoch nicht. Insofern kann man diesen Bericht beim besten Willen nicht auf die aktuelle Produktion mediterraner Hersteller verallgemeinern. Eines meiner Minies fiel förmlich durch den Lauf einer Italienerin aufs Pulver. Das Kaliber war eher .58+ als .577. 


Fazit


Für das Dienstgewehrschießen ist die P. H. Naval Pattern (auch die Alten von HEGE) sehr zu empfehlen. Ebenso legendär dürften die wenigen Enfields von Neumann mit Läufen von Delcour sein. Leider sind diese Exemplare rar und meist in Händen von Kennern, die sie ums Verrecken nicht hergeben würden.
 

Ladedaten

.577er Minie Geschoss 670 grn Kokille Hensel, .575" kalibriert, 52 grn CHII, Fett This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 

Externe Links / Bezugsquellen

  • Peter Dyson: Ersatzteile und Zubehör für Enfields
  • Hensel GmbH: Kokillen
  • lesenswerter Waffen-Online Forenbeitrag über Enfield Rifles
  • Fett uvm. This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.


© 2011 by This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it., Schwarzpulver Schützen Gilde Harburg – Land e. V.