Richtig Zielen

Eine wesentliche Grundfertigkeit des Schützen ist das Zielen. Jeder Schütze baut den Zielvorgang in die Routine der Vorbereitung bis zur Schussabgabe ein. Grundsätzlich sind die folgend dargestellten Techniken für viele Sportschützen geeignet, jedoch sind Details auf Equipment und individuelle Sehleistung abzustimmen.

 

Das Zielen ist eine der anspruchsvollsten Anforderungen an den Schützen. Das Auge ist nur kurzfristig in der Lage Höchstleistung zu erbringen. Je nach Sauerstoffversorgung des Auges und des Nervensystems kann dieses nur für jeweils 5 – 10 Sekunden geleistet werden. Danach wird die Sehleistung merklich schlechter. Das Erlernen der richtigen Atemtechnik ist Voraussetzung für länger währende Sehleistung.

 

Welches Auge zielt? Jeder Mensch hat ein s. g. Führungsauge (siehe auch Augendominanz), das üblicherweise bessere Leistung erbringt. Bei Rechtshändern ist das nicht immer das rechte Auge! Man spricht in diesen Fällen von Kreuzdominanz. Für Kurzwaffenschützen ist  das kein größeres Problem. Der Anschlag und evt. die Schießbrille wird entsprechend eingerichtet. Für Langwaffen- (insbesondere Flinten-) und Bogenschützen ist das Problem erheblich größer. Hier ist individuelle Beratung eines erfahrenen Trainers von Nöten.

 

Kimme und Korn

Das Zielen mit Kimme und Korn stellt höchste Anforderung an das Auge. Insbesondere ältere Langwaffenschützen haben das Problem, die Visierung nicht mehr scharf sehen zu können. Der Fokus wechselt permanent von Kimme zu Korn auf die Scheibe und wieder zurück. Das gesamte Zielbild wird nicht mehr synchron erfasst.


Das bewusste Fokussieren des Korns ist der beste Kompromiss zum erfolgreichen Zielen (mittleres Bild). Reicht die Sehleistung dafür nicht, ist eine richtig  konfigurierte Schießbrille unabdingbar. Diese wird auf den zu korrigierenden Sehfehler, die Disziplin sowie die Waffe individuell konfiguriert und justiert.

 

Für die Präzisionsdisziplinen des DSB ist das Einschießen auf das Zielbild „Spiegel aufsitzend“ gebräuchlich. Üblicherweise wird der gewünschte Hochschuss auf einen Weißraum von etwa 1 – 2 Ringen unterhalb des Scheibenspiegels eingestellt. Der schlechte Kontrast, insbesondere bei wechselnden Lichtverhältnissen, macht den Einsatz auf „Fleckschuss“ eingeschossener Waffen eher problematisch.

 

 

Zielbild Spiegel aufsitzend Zielbild Fleckschuss

 

Diopter und Korn

Die Vorderladerdisziplinen Perkussionsgewehr (7.10), Steinschlossgewehr 100 m (7.31) und Freigewehr (7.15 / 7.16) lassen den Einsatz von Dioptern zu. Diese bewirken durch die sehr kleine Blendenöffnung eine wesentlich bessere Tiefenschärfe beim Zielen. So ist es möglich Korn und Scheibe scharf zu sehen und das Zielbild sicher zu erfassen. Beim Freigewehr sind auch Ringkorne zugelassen. Waffen mit Diopter und Ringkorn werden auf „Fleck“ eingeschossen.

 

Diopter PerlkornDiopter Ringkorn

 

Der richtige Augenabstand zum Diopter beträgt etwa 5 bis 10 cm. Je größer der Abstand zum Auge, desto kleiner ist das Sehfeld um den Korntunnel herum. Der zu erwartende Zielfehler wird dabei ebenfalls geringer. Zu kleiner Augenabstand führt zu größeren Zielfehlern und zur Verletzungsgefahr des zielenden Auges, insbesonders beim Schießen von Kalibern mit größerem Rückstoß.



Checkliste

Der Weg zum Schießstand ist häufig lang, der Sprit teuer und die Zeit knapp. Spätestens jedoch wenn man auf dem Stand beim Probeschießen vor dem Wettkampf feststellt, dass man den Ladestock zu Hause vergaß, wird man sich eine Checkliste erstellen, um nächstes Mal besser gerüstet zu sein. Hier ein Beispiel für den Vorderladerschützen, welche je nach Disziplin und Waffe variieren kann:

 

    1. Papiere: Sprengstofferlaubnis §27, WBK, Wettkampfpass, Personalausweis, Führerschein
    2. Waffen: Waffen trocken durchwischen, Funktion prüfen und einpacken.
    3. Waffenzubehör: Pistonschlüssel, Ersatzpiston, Feuersteine, Patches, Ladestock, Pulverfüllrohr, Lappenzieher, Kugelzieher / Ausbläser, sonstige Werkzeug
    4. Munitionierung: Pulverladungen, Zünder / Zündkraut, Patches, Geschossfett, Geschosses
    5. Reinigungsutensilien
    6. Ausrüstung: Schießkleidung, Gehörschutz, Spektiv / Stativ, Schießmatte, Schießbrille, Sonnenbrille, Brillenputztücher
    7. Getränk & Snacks (ggf. Medikamente)
    8. Bei längerer Reise zum Wettkamp Reisecheckliste!


Wettkampfvorbereitung

In den letzten Trainingseinheiten vor Wettkämpfen sollte nicht mehr experimentiert werden, sondern das Bewährte geübt und gefestigt werden. Experimente verwirren, frustrieren ggf. und schaden damit dem Selbstvertrauen. In den Tagen vor Wettkämpfen sollten Stressquellen vermieden werden. Nach dem letzten Training sollten intensive Inspektion, Demontage und übertriebene Waffenreinigung unterbleiben. Daraus resultieren häufig Waffenstörungen im Wettkampf.

Ausreichend Schlaf sowie Verzicht auf blähende Nahrung und Alkohol sorgen für gute Fitness und gute Konzentrationsfähigkeit. Rechtzeitige Anreise, Informationsbeschaffung über Organisation, Ablauf und Zeitplan sorgen für entspannte Vorbereitung, vermeiden Unsicherheit und Fehler bei der Anmeldung sowie der Waffen- und Ausrüstungskontrolle.

Fremde Schießstande sollten erkundet werden ebenso wie die Wetterbedingungen und Lichtverhältnisse. Unbedingt sollte Frieren verhindert und die Muskulatur ausreichend warm gehalten werden. Leichtes Stretching lockert und dehnt verspannte Muskulatur nach langer Anreise oder einer Nacht im Hotelbett.

So vorbereitet ist der Wettkampf stressfrei und läuft wie ein konzentriertes Training. Gespräche mit anderen Teilnehmern oder diese zu beobachten bringt nichts und stört die eigene Konzentration. Die richtige Zeit dafür ist nach dem eigenen Start!