von Kai Spiegelhauer

Von den Schützen moderner Disziplinen wird der Schießsport mit Vorderladern oft belächelt. Wegen Schwefelgeruch, Lärm, Rauch und der Verschmutzung des Schießstandes durch Schmauch sind Schwarzpulverschützen auf Sportanlagen mit modernem Schießbetrieb wenig beliebt. So gilt auf vielen Schießstätten ein Verbot für Schwarzpulverwaffen oder strikte Trennung über separate Trainingzeiten.

Der Reiz des sportlichen Einsatzes von VL – Waffen ist vielseitig und beruht auf dem besonderen Anspruch an die Fähigkeit des Schützen . Im Gegensatz zum modernen Sportgerät bieten Vorderlader keine anatomische Anpassungsmöglichkeit und sind von der Auslegung selten speziell für das sportliche Schießen entwickelt worden. Deshalb kann die Waffe nicht an die Anatomie des Schützens angepasst werden, sondern der Anschlag muss sich der Dimension der Waffe anpassen. Der Auswahl der für den Schützen richtigen Waffe kommt deshalb besondere Bedeutung zu.

Munition in den Lauf stopfen kann (fast) jeder. Der Umstand, dass der Vorderlader nur präzise schießt, wenn der Schütze die richtige Zusammenstellung von Pulversorte, Ladung, Pflaster und Geschoss lädt, setzt viel systematische Forschung bzw. Erfahrung voraus. Nicht selten sind deshalb ältere Schützen den Jungen ebenbürtig oder überlegen.

Vergleichsweise einfache Visierungen mit primitiver Einstellung sind eine weitere Herausforderung, insbesondere weil bei einigen Waffen die Treffpunktlage bei wachsender Laufverschmutzung im Wettkampf wandert. Weiterhin zündet ein Vorderlader langsamer, das Schloss erschüttert die Waffe, der starke „schiebende Rückschlag“ und die relativ niedrige Geschossgeschwindigkeit erfordern eine besondere Konzentration auf den sauberen Anschlag.

Die nationale Regel 15 Schuss in 40 min. für eine Serie bedeuten:

15 mal an den Ladetisch gehen, den Lauf wischen, Pulver und Geschoss laden, zurück an die Schießposition gehen, Zündmittel setzen, Spannen von Schloß und ggf. Stecher, in den Anschlag gehen, Haltepunkt nehmen, Abziehen, Nachhalten und Trefferaufnahme durchführen.

Im Vergleich zum Umgang mit Munitionswaffen bedeutet das viele Handgriffe und Tätigkeiten, die routiniert, konzentriert und gleichmäßig ausgeführt werden wollen. Das zahlreiche Equipment auf dem Ladetisch will aufgeräumt und organisiert positioniert sein, um sich routiniert auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der grobmotorische, unorganisierte Chaot wird dabei wenig Freude bzw. messbare Erfolge erleben.

Ein weiterer Aspekt ist auch die sorgfältige Waffenpflege und Wartung, sonst wird man mit seinem Sportgerät kurzfristig Probleme bekommen. Das erfordert ein gewisses Maß handwerklichen Talentes und etwas mehr an Zeiteinsatz.

Ein richtiger Vorderladerschütze geht nicht mal eben zum Stand und macht ein paar Schuss. Gerade diese Intensität und die vielfältigen Anforderungen machen den besonderen Reiz dieser Form des Schießsportes aus.

Zitat E. Helmvoigt: „Wenn Schießen einfach wäre, hieße es Fußball.“